Wir bauen ein Haus

Samstag 30.8.: Rasttag in Huanuco. Eine Stadt mit angeblich 170.000 Einwohnern. Es hat den Anschein, täglich werden es mehr. An den Berghängen des Stadtrandes entstehen Erweiterungsgebiete.

Ich mache eine Wanderung auf einen Hausberg, einen 3.000er (die Stadt liegt auf rd. 1.900m) und durchquere dabei auch die Neubaugebiete.

Wie baue ich hier ein Haus? Man nehme sich ein Grundstück am Stadtrand – Hangneigung ca. 30°. Für eine ebene Fläche benötigt man Aushub. Diesen mische man mit Wasser und stampfe den Brei in eine Form. Fertig ist der Ziegel. Nun trocknen lassen und später die Mauern errichten. Dann ein paar dünne Holzstangerl darauf gelegt und ein paar Stück Blech: Fertig

Infrastruktur wie Wasser, Kanal, Strom kommen vielleicht später.

 

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Queen of the Andes

Heute, 28. August, sind wir durch den Nationalpark „Huascaran“ gefahren. „Durch den Nationalpark fahren ist vor dem Hintergrund seiner Dimension zu betrachten. Er hat eine Fläche, die knapp der Hälfte der Fläche Österreichs entspricht. Also genauer: wir haben einen südlichen Teil des Nationalparks durchquert.

Ausgangspunkt war ein Bushcamp in der Pampa auf rund 4.000m Seehöhe. Ich hatte mich zu Schlafen ohne Zelt entschieden. Der Sternenhimmel ist einfach unglaublich vielfältig. Am Morgen dann Raureif am Schlafsack.

In dem Gebiet wachsen Pflanzen, ähnlich Agaven, die einmal in ihrem Leben eine Blüte produzieren – the so called „Queen of the Andes“. Die werden über 10m hoch. Nach diesem Höhepunkt  sterben die Pflanzen ab.

Weiter geht es mit unglaublichem Panorama, mit einer Weite, die in Europa nicht vorstellbar ist. Die Straße (schlechter Schotterweg, wir fahren mit dem Truck 15-20 km/h) führt unter Hängegletschern und vorbei an knapp 6.000m hohen Bergen auf einen Pass mit 4.800m Höhe. „Wir fahren über den Gipfel des höchsten Berg der Alpen, den Mont Blanc.“

Unglaublich, dass auch in dieser Höhe und in dieser Abgeschiedenheit Menschen wohnen. In einfachsten runden Lehmbauten, kaum 2m hoch, gedeckt mit dem harten hier wachsenden Gras – bei Nachttemperaturen um -10°C. Hier wohnen aber schon sehr lange Menschen, wie Felszeichnungen belegen, an denen wir vorbeikommen. In einem Felsüberhang sind sie ohne weiteren Schutz schon deutlich über 1.000 Jahre erhalten geblieben.

Nun haben wir die Wasserscheide überquert. Der Bach, an dem wir heute (wieder im Zelt) nächtigen, fließt zum Amazonas und in den Atlantik.

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Bergbau

An den unmöglichsten Orten finden sich Minen. Am Rasttag bin ich von Huaraz aus in das Quabrada (Tal) Honda geradelt. Ich wollte mir den Berg, den ich 1988 bestiegen hatte, von der anderen Seite ansehen. Seine Felswand hat dort von unten weniger spektakulär ausgesehen, als der Blick von oben.

Was ich angetroffen habe, sind Silberminen. Eine auf 4.200m, eine auf 4.400m Seehöhe. Das Erz wird dort mit LKW abtransportiert, und zwar über Wege, die für das Mountainbike perfekt sind, für LKW unglaublich – steil, rutschig, eng, loser Schotter, Felsen, tiefe Löcher.

Auch in anderen Gebieten tauchen Minen auf, die sich hauptsächlich durch Abraumhalden sichtbar machen. Es muss hier einiges an Metallen geben: Es gibt Bäche, deren Flussbette grell-orange sind – ohne dass oberhalb eine menschliche Aktivität stattfinden würde: Eine natürliche Kontamination. Auch die Farbe der Berge ist vielfältig – von tiefschwarz über verschiedene Rottöne als Kontrast zu den weiß leuchtenden Gletschern.

Am Foto einen Konsumenten von Coka-Blättern.

 

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Reifensandalen

Ja, es gibt sie noch, die Sandalen aus verschiedenen Teilen von Autoreifen. Aber nur mehr sehr selten. Sie werden nur mehr von älteren Personen getragen.

Großartiger Indio-Markt in Caraz.

Etwas Enttäuschung in Huaraz. Die Stadt ist sehr urban geworden. Es gibt keinen rundgestrickten Alpaca-Pullover mehr zu kaufen. Kleidung nur mehr aus Fernost. Umso toller und immer wieder beeindruckend das Panorama.

 

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Wo der Pfeffer wächst

Jetzt sind wir wirklich dort, wo der Pfeffer wächst. Die Vegetation im Rio-Santa-Canyon war wechselhaft. Meist Wüste, praktisch ohne Bewuchs, dann mannhohe Kakteen, dann eine Quelle, eine Oase und Mangobäume. Nun, zwischen 2.000m und 3.000m säumen Pfefferbäume die Straße. Die Region wird intensiv landwirtschaftlich genutzt – nun sehr kleinstrukturiert, nicht die Agroindustrie entlang der Küste.

Ich freue mich schon auf den Rasttag in Huaraz. Ich habe vor, so weit als möglich in ein Seitental an den Fuß der Gletscher zu radeln bzw. gehen. Vielleicht erreiche ich das Basislager zum Toclaraju, den ich 1988 mit drei Freunden besteigen konnte  – unser erster 6.000er.

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Rio Santa

Wir erreichen den Rio Santa und fahren ihn stromauf. Eine Mündung ist kaum auszumachen, da das Wasser fast ausschließlich für die Bewässerung der Wüste entlang der Küste verwendet wird (siehe „Bewässerung“).

Wir fahren durch immer enger werdende Schluchten, viele hundert Meter tief. Hier fällt nur dann Regen, wenn das Phänomen El Niño auftritt und sich die Meeresströmungen verändern. Dann spielt das Wetter in der Region verrückt.

Die Schluchten sind jedenfalls gewaltig, die Straße nicht steil. Ursprünglich hätte die Straße eine Eisenbahntrasse werden sollen. Nun rumpeln wir über Wellblechpisten stromauf. Nicht immer wissend, ob Tempo 20 oder 60 besser ist. Alles dazwischen rumpelt allzusehr. Ich entscheide mich doch oft für Tempo 60+. Das Ergebnis ist dann ein mehr schweben als Fahren, funktioniert aber selbst mit den 13t gut. Links und rechts dunkle Berge – die Cordillera Negro.

Die Schlucht verengt sich weiter und führt zu einem mehrere hundert Meter tiefen Canyon. Die Straße ist schmal, hat viele enge Tunnels und hat keine Leitplanken. Es ist schon ein spannend, den Kopf aus dem Fenster des LKW zu halten und direkt hundert Meter tief zum Fluss zu blicken, die das Fahrzeug an der Kante fährt.

Wir übernachten im Zelt. Grandioser Sternenhimmel. Wir beobachten auch die Scheinwerferkegel von Fahrzeugen, die sich mehrere hundert Meter über uns von Kehre zu Kehre bewegen. Unglaublich, wo es überall Straßen bzw. Fahrwege gibt.

Nach dem Ende der Schlucht weitet sich das Tal. Der Fluss dreht um 90° und wir erhalten Blicke auf die Cordillera Blanco, die schneebedeckte Cordillera mit dem Huascaran als höchsten Berg mit 6.800m. Wir machen mit dem LKW einen Sidestep etwa 1.000 Höhenmeter hinauf (auf 3.000 m) in Richtung Alpamayo, um diesen unglaublich schönen Berg zu sehen.

Wir sind von der Szenerie tief beeindruckt und freuen uns, nun fern der Pan Americana zu sein. Auffällig auch, dass es hier in den Bergen deutlich sauberer ist als in der Küstenregion. Keine Plastiksackerl mehr in fast jedem Busch.

 

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Bewässerung

Unglaublich, dass aus den trockenen wüstenartigen Bergen Wasser gewonnen wird. Unendliche Wasserfassungen, Tunnel, offene Gerinne sammeln Wasser, um die Wüste an der Küste zu bewässern – für Zuckerrohr und Spargel !! Riesige Agroindustrie-Areale bestehen und werden weiter ausgebaut. Nicht zuletzt: 9 Mio. Einwohner von Lima wollen versorgt sein (wenn auch nicht mit dem Spargel). Das Erschließen neuer Äcker (in der Dimension von km² erfolgt mit gewaltigen Erdbewegungen mittel Schubraupen. Dann werden schmale Streifen Kompost aufgebracht und die Bewässerung eingerichtet. Mit Bussen werden die Mitarbeiter zu den Agro-Industrie-Komplexen gebracht.

 

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